Musik zum Greifen nah

Wer noch nie auf einem Indie-Konzert war, kennt Live-Musik wahrscheinlich nur inmitten tausender Menschen, die sich allesamt drängelnd den besten Stehplatz vor der Bühne ergattern wollen, oder vom stundenlangen Anstehen vor der Arena. Vielleicht kennt derjenige auch überteuerte Konzertkarten oder festgelegte Sitzplätze, bei denen die Menschen, die am meisten zahlen, den besten Platz bekommen. Nicht zu vergessen: Enorme Getränke-, Snack- und Merchandise-Preise. Ein großes Mainstream-Konzert in einer Arena kann sich schon manchmal wie eine Ausbeutung des Kapitalismus anfühlen, bei denen diejenigen am meisten Spaß haben, die das meiste Geld ausgeben. Bei vereinzelten Konzerten in den USA müssen sogar vor dem Erwerb des Tickets Punkte erbracht werden – etwa durch den Kauf von Musik oder Merchandise – um überhaupt das Konzert besuchen zu dürfen. Mit dem Genießen von Musik hat das alles nicht mehr viel zu tun.

Indie-Rock-Konzerte gehen anders

Besucht man allerdings ein Indie-Rock-Konzert, scheint der Kapitalismus seinen Weg noch nicht in die Klubs oder kleinen Konzerthallen gefunden zu haben. Es kann einem sogar passieren, dass man um kurz vor Einlassbeginn anreist und nur fünf Menschen vor sich in der Schlange auffindet. Oder dass man kurz vor Konzertbeginn anreist, und es trotzdem noch ganz gemütlich in die erste Reihe schafft – selbst wenn man sich davor noch schnell ein normalgünstiges Bier am Tresen gekauft hat.

Die Fans drängeln hier nicht, sie sind für die Musik gekommen und die lässt sich genauso gut drei Meter von der Bühne entfernt genießen. Mit ganz viel Glück begegnet man zufällig dem Schlagzeuger der Band draußen vor dem Veranstaltungsort bei einer Raucherpause oder fährt auf dem Rückweg mit der Band in derselben S-Bahn. Indie-Bands sind oft unbekannter, die Konzerte kleiner ausgelegt und dementsprechend intimer. Auf der Bühne findet man kein Playback, keine großen Bildschirme oder Bühneneffekte, sondern eben bloß ein paar Musiker, die ihre Musik spielen: unverfälscht und authentisch.